Wenn das Leben kurz stillsteht und die Kindheit zurückkehrt
Moin, Ihr Lieben!
Na, habt Ihr’s schon gehört? Der Schnee bleibt uns tatsächlich ein bisschen erhalten – und die Schulen haben am 8. und 9. Januar geschlossen! Das ist hier bei uns im Norden wirklich eine Seltenheit. Ich kann mich kaum erinnern, wann Ostfriesland das letzte Mal so tief verschneit war. Und ja, auf den Straßen ist’s gerade ein ziemliches Chaos – viele Wege sind aalglatt, wie man hier sagt, das Salz ist fast aufgebraucht, der Busverkehr eingestellt und mancher Trecker kämpft sich über vereiste Feldwege.
Und ganz ehrlich: selbst als Autofahrer muss man jetzt erst mal wieder überlegen – wie war das noch gleich mit Fahren auf Schnee und Eis? Früher hat man das irgendwie intuitiv gemacht – langsam, vorausschauend, mit Gefühl im Fuß und einer großen Portion Geduld. Heute merkt man, wie ungewohnt das geworden ist. Aber genau das macht diese Tage auch wieder besonders: wir alle müssen einen Gang runterschalten, im wahrsten Sinne des Wortes.
Wenn Ostfriesland schneeweiß strahlt, dann hat das etwas Magisches. Die Welt wirkt plötzlich stiller, die Luft klarer – und irgendwie fühlt man sich ein bisschen wie früher als Kind, wenn schon das Geräusch der ersten Schneeflocken am Fenster für Aufregung sorgte.
Ein Wintertag, wie man ihn hier selten erlebt
Heute früh bin ich mit meinem Hund Fiete durch die verschneiten Felder gestapft. Erst knirschte der frische Schnee unter den Stiefeln, dann kam – ganz plötzlich – die Sonne durch die Wolken. Dieses Licht über den vereisten Gräben, die Frostspitzen auf den Weiden, das war einfach wunderschön. Dazu das Lachen von Kindern, die irgendwo in der Ferne einen kleinen Deich hinunterrodelten – selten klang Ostfriesland so lebendig und gleichzeitig so friedlich.
Wer Kinder hat, kann jetzt die wohl seltene Gelegenheit nutzen, draußen richtig Spaß zu haben: rodeln, Schneemänner bauen oder Schneebälle werfen – alles, was sonst kaum möglich ist. Und wer es lieber etwas ruhiger mag, dem empfehle ich einen Spaziergang am Deich oder durch die Wälder. Das Weiß der Landschaft, der kalte Wind auf den Wangen und das zufriedene Gefühl danach – genau das ist Winterglück für die Seele.
Teezeit nach dem Schneespaß
Nach so einem Ausflug gibt’s für mich nichts Schöneres, als einen heißen ostfriesischen Tee. Kluntje rein, Sahne dazu – und schon zieht wieder dieses zarte „Wulkje“ durch die Tasse. Ich liebe es, am Fenster zu sitzen, eingekuschelt in eine Decke, während draußen die letzten Flocken durch den Wind tanzen. Fiete liegt dann meist schnarchend neben dem Ofen – und alles scheint für einen Moment einfach perfekt.
Ja, die Straßen sind glatt und es läuft nicht alles rund, aber manchmal schenkt einem das Leben genau diese Pausen, die man gar nicht geplant hat. Vielleicht ist das sogar der schönste Teil des Winters hier: sich einfach treiben zu lassen – mit Tee, mit Zeit und mit einem offenen Herzen für das, was die Natur uns gerade zeigt.
Mein Tipp: Macht das Beste draus!
Ob mit Schlitten, Kamera oder einfach festem Schuhwerk – nutzt die Chance! So ein Winterwunder sieht man hier selten. Zieht euch warm an, genießt das Knirschen des Schnees, nehmt die Kinder mit oder gönnt euch einfach einen kleinen Spaziergang für euch allein. Ostfriesland zeigt sich gerade von einer ganz besonderen, stillen Seite – und die sollte keiner verpassen.
Mit Vorsicht und Rücksicht, gut eingemummelt und mit Tee bewaffnet – so trotzen wir dem Frost!
Herzliche Grüße aus dem verschneiten Ostfriesland,
Eure Deike